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A.C.A.B.
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Das Akronym A.C.A.B. oder ACAB steht fĂźr den englischen Ausspruch All cops are bastards, wĂśrtlich âAlle Polizisten sind Bastardeâ oder sinngemäà âAlle Bullen sind Schweineâ. Diese Parole wird von zahlreichen Jugendsubkulturen verwendet, insbesondere unter Autonomen, Punks, Skinheads, Hooligans und Ultras.cite-ref-1[1]
Contents
⢠Geschichte
⢠Deutschland
⢠Niederlande
⢠Ăsterreich
⢠Schweiz
⢠Literatur
⢠Film
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Geschichte
Der genaue Zeitpunkt der Entstehung ist unklar. A.C.A.B. ist eine häufig anzutreffende Gefängnistätowierung in GroĂbritannien. In Form von Tätowierungen, Aufnähern, Buttons, SchriftzĂźgen auf Jacken und T-Shirts und Graffiti auf Häuserwänden sowie als Songtexte fand das Akronym in den späten 1970er und frĂźhen 1980er Jahren Eingang in die Jugendsubkulturen des Punk und Oi!. Später wurde der Slogan von Teilen der neonazistischen Szene Ăźbernommen. In die frĂźhen 1980er datieren auch die Titel A.C.A.B der deutschen Punkband Slime oder der Londoner Oi!-Band The 4-Skins. Der Slogan wird auch als 1312 codiert dargestellt, entsprechend der Position der Buchstaben im Alphabet.
Weitere und ergänzende Bedeutungen
Neben der bekannten Deutung als All Cops are Bastards haben sich eine Vielzahl von Backronymen und Abwandlungen gebildet. In der linken Szene verwenden einige Menschen alternativ âAll Cops are Bullshitâ, da der Begriff âBastardâ auch rassistisch verwendet wird (z. B. âRheinlandbastardeâ). DarĂźber hinaus kommen aus der linken Szene auch weitere Interpretationen der AbkĂźrzung, wie All colours are beautiful (âAlle Farben sind schĂśnâ) oder all communists are beautifulcite-ref-2[2] (âAlle Kommunisten sind schĂśnâ). Weit verbreitet im Bereich der Punk-, Skinhead- und FuĂballkultur ist die auf die gemeinsame Präferenz von alkoholischen Getränken zurĂźckgehende Aussprache zu Acht Cola, acht Bier,cite-ref-3[3] die häufig auch in 8 ColaBier abgewandelt wird. DarĂźber hinaus gibt es bei Neonazis die antisemitische Variante A.J.A.B. â All Jews are Bastards (âAlle Juden sind Bastardeâ). Bei Autonomen ist die Abwandlung Autonome Chaoten argumentieren besser verbreitet. Andere mĂśgliche Deutungen sind z. B.: Always carry a bible (âHabe immer eine Bibel dabeiâ), All chicks are beautiful (âAlle HĂźhner [= junge Frauen] sind schĂśnâ). Bei FuĂballfans findet das an die Ortsbezeichnung Copacabana angelehnte Wortspiel CopACABana Verbreitung.cite-ref-0-4-0[4]
Im britischen Sprachraum wird manchmal auch die Aussprache All Coppers are Bastards verwendet, so etwa in einem Songtext der britischen Band The 4-Skins.cite-ref-5[5]
Seit 2023 wirbt die deutsche Bundespolizei in einer Plakatkampagne mit dem Slogan All Cops Are Beautiful.cite-ref-6[6]
Rechte an A.C.A.B. und Klage
Im deutschen Raum sicherte sich der Textilhändler Troublemaker in der Zeit von 1998 bis 2007 die Rechte an A.C.A.B.cite-ref-7[7] und sah sich umgehend mit einer Strafanzeige eines Polizisten konfrontiert, die jedoch keinen Erfolg hatte. Trotz dieses Gerichtsbeschlusses weist Troublemaker auf seiner Internetpräsenz darauf hin, dass es leicht zur Konfiszierung von A.C.A.B.-Textilien kommen kÜnne und in einem solchen Fall kein Ersatz geleistet wßrde.
Rechtsprechung zu A.C.A.B., FCK CPS (FUCK COPS)
Deutschland
Richtet sich ACAB gegen eine klar eingegrenzte Gruppe von Polizisten bzw. einen einzelnen Polizisten, wurde die Strafbarkeit wegen Beleidigung auch in dritter Instanz bereits bestätigt:
â[Der Tatverdächtige] rief einem Polizeibeamten, [âŚ], aus einiger Entfernung laut âA.C.A.B.â zu und zeigte dabei mit ausgestrecktem Arm auf den Polizeibeamten. Es ist revisionsrechtlich nicht zu beanstanden, dass der Tatrichter der genannten Buchstabenkombination den Sinngehalt âall cops are bastardsâ beigemessen habe. Denn die AbkĂźrzung âA.C.A.B.â wird in Jugendsubkulturen und auch in der Neonazi-Szene fĂźr diese englischsprachige Parole verwendet und andere Deutungen sind im vorliegenden Fall auszuschlieĂen. Die individuelle Bezeichnung eines Polizeibeamten (âcopâ) als âbastardâ ist sowohl in der englischen wie auch in der deutschen Sprache objektiv ehrverletzend und ist nach den Urteilsfeststellungen auch subjektiv gewollt als ehrverletzend geäuĂert worden, ohne dass es dazu irgendeinen Anlass gegeben hätte. Die Formalbeleidigung ist daher weder durch Wahrnehmung berechtigter Interessen gemäà § 193 Strafgesetzbuch noch durch das Grundrecht der Meinungsfreiheit nach Art. 5 Abs. 1 Grundgesetz gerechtfertigt.â
â
Oberlandesgericht Stuttgart
, Beleidigung eines Polizeibeamten durch ĂuĂerung der Buchstabenfolge âA.C.A.B.â (Pressemitteilung zum Beschluss vom 23. Juni 2008)
Dass Gerichte bei der Bewertung des Verhältnisses von Meinungsfreiheit und Ehrenschutz bei Kollektivurteilen (vergleiche Soldaten sind MĂśrder) immer wieder zu anderen Ergebnissen kommen kĂśnnen, zeigt dieser Fall: Bei einem Zweitliga-Spiel des Karlsruher SC gegen den VfL Bochum am 16. Oktober 2010 hatten Fans ein Banner ausgerollt, mit dem ein Polizeieinsatz auf einer Demonstration gegen Stuttgart 21 kritisiert wurde. AnschlieĂend wurde ein Banner mit der Aufschrift ACAB gezeigt. Ein dabei identifizierter FuĂballfan erhielt vom Amtsgericht Karlsruhe am 5. April 2011 einen Strafbefehl Ăźber eine Geldstrafe von 25 Tagessätzen. Aufgrund des vom Angeklagten eingelegten Einspruchs wurde er in der Verhandlung vor dem Amtsgericht am 12. Mai 2011 freigesprochen. Auf die Berufung der Staatsanwaltschaft hin wurde das Urteil am 8. Dezember 2011 vom Landgericht Karlsruhe bestätigt.cite-ref-9[9] Auf die Revision der Staatsanwaltschaft hin hob das Oberlandesgericht Karlsruhe am 19. Juli 2012 diese Entscheidung auf und verwies zu erneuter Verhandlung an das Landgericht zurĂźck, das ihn dann am 25. September 2013 schuldig gesprochen und ihn unter Vorbehalt der Verurteilung zu der Geldstrafe von 20 Tagessätzen verwarnte.cite-ref-10[10] Die dagegen vom Angeklagten eingelegte Revision wurde vom Oberlandesgericht Karlsruhe am 20. Mai 2014 abgewiesen. Der hiergegen vom Angeklagten eingelegten Verfassungsbeschwerde wurde mit Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 17. Mai 2016 stattgegeben und die Sache zur erneuten Verhandlung an das Oberlandesgericht Karlsruhe zurĂźckverwiesen:cite-ref-11[11] Die Parole sei als allgemeine ĂuĂerung von der Meinungsfreiheit abgedeckt, da damit eine âallgemeine Ablehnung der Polizei und ein AbgrenzungsbedĂźrfnis gegenĂźber der staatlichen Ordnungsmacht zum Ausdruckâcite-ref-12[12] gebracht wĂźrde, und diese nur als Beleidigung einzustufen sei, sofern sie sich auf eine âhinreichend Ăźberschaubare und abgegrenzte Personengruppeâcite-ref-1-bvr-2150-14-rn-17-13-0[13] beziehe. Die 3. Kammer des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts fĂźhrte zu diesem Personenbezug aus:
âHierfĂźr reicht es nicht, dass die die Parole wahrnehmenden Polizeikräfte eine Teilgruppe aller Polizisten und Polizistinnen bilden. Ebenso wenig genĂźgt es den verfassungsrechtlichen Anforderungen an eine personalisierte Zuordnung der ĂuĂerungen, dass sich zur Sicherung des besuchten FuĂballspiels auch Einsatzkräfte der Polizei im Stadion befanden und nach der Vorstellung des BeschwerdefĂźhrers die MĂśglichkeit bestand, dass diese die von ihm mit hochgehaltene Buchstabenfolge âA C A B !â wahrnehmen wĂźrden.â
â
Bundesverfassungsgericht, Beschluss vom 17. Mai 2016 â 1 BvR 2150/14
Der damalige Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei Oliver Malchow bezeichnete die Entscheidung als einen Schlag ins Gesicht.cite-ref-14[14] Die AbkĂźrzung stehe nahezu immer in Verbindung mit Gewalt gegen Polizisten.cite-ref-15[15]
fckEine junge Niedersächsin wurde 2013 vom Amtsgericht BĂźckeburg wegen des Tragens eines Ansteckers mit der Aufschrift FCK CPS (Disemvoweling von âFuck Copsâ) zu 15 Arbeitsstunden wegen Beleidigung verurteilt, nachdem eine Polizeistreife Anzeige gegen sie erstattet hatte. Einige Wochen zuvor hatten die Polizisten bereits das Tragen eines T-Shirts mit dem gleichen Aufdruck moniert. Die Verurteilte legte beim Oberlandesgericht Revision ein, die von diesem aber verworfen wurde. Sie legte daraufhin Verfassungsbeschwerde vor dem Bundesverfassungsgericht ein, da sie ihr Recht auf freie MeinungsäuĂerung eingeschränkt sah. In seiner Entscheidung vom 26. Februar 2015cite-ref-16[16] bekräftigte die dritte Kammer des ersten Senats ihre bisherige Rechtsprechung und verdeutlichte, dass die Einschränkung der Meinungsfreiheit (Artikel 5 Grundgesetz) in der Abwägung mit BeleidigungsvorwĂźrfen eine âĂuĂerung, [die sich] auf eine hinreichend Ăźberschaubare und abgegrenzte Personengruppe beziehtâ, benĂśtige. Der Schuldspruch des Amtsgerichts BĂźckeburg wurde aufgehoben.cite-ref-17[17]
âDie [âŚ] Entscheidungen [âŚ] verletzen die BeschwerdefĂźhrerin in ihrem Grundrecht auf Meinungsfreiheit aus Art. 5 Abs. 1 Satz 1 GG. Der Aufdruck âFCK CPSâ ist nicht von vornherein offensichtlich inhaltlos, sondern bringt eine allgemeine Ablehnung der Polizei und ein AbgrenzungsbedĂźrfnis gegenĂźber der staatlichen Ordnungsmacht zum Ausdruck. Es handelt sich um eine MeinungsäuĂerung im Sinne des Art. 5 Abs. 1 Satz 1 GG. Die strafrechtliche Verurteilung der BeschwerdefĂźhrerin greift in dieses Grundrecht ein. [âŚ] Eine herabsetzende ĂuĂerung, die weder bestimmte Personen benennt noch erkennbar auf bestimmte Personen bezogen ist, sondern ohne individuelle AufschlĂźsselung ein Kollektiv erfasst, kann zwar unter bestimmten Umständen ein Angriff auf die persĂśnliche Ehre der Mitglieder des Kollektivs sein. Je grĂśĂer das Kollektiv ist, desto schwächer kann auch die persĂśnliche Betroffenheit des einzelnen Mitglieds werden, weil es bei den VorwĂźrfen an groĂe Kollektive meist nicht um das individuelle Fehlverhalten oder individuelle Merkmale der Mitglieder, sondern um den aus der Sicht des Sprechers bestehenden Unwert des Kollektivs geht. Jedoch ist es verfassungsrechtlich nicht zulässig, eine auf AngehĂśrige einer Gruppe im Allgemeinen bezogene ĂuĂerung allein deswegen als auf eine hinreichend Ăźberschaubare Personengruppe bezogen zu behandeln, weil eine solche Gruppe eine Teilgruppe des nach der allgemeineren Gattung bezeichneten Personenkreises bildet.â
â
BVerfG, Presseerklärung Nr. 23/2015 zum Beschluss vom 26. Februar 2015, Az. 1 BvR 1036/14.
Dagegen lehnte das Bundesverfassungsgericht 2020 die Annahme einer Verfassungsbeschwerde gegen eine Verurteilung wegen Beleidigung auf Grund des Aufdrucks âFCK BFEâ auf einem Pullover ab.cite-ref-19[19] Die 2. Kammer des Ersten Senats kam zu folgendem Schluss: âAusgehend von dieser nicht zu beanstandenden fachgerichtlichen Deutung des Verhaltens des BeschwerdefĂźhrers als auf die Beamtinnen und Beamten der BFE GĂśttingen bezogen begegnet die WĂźrdigung des Schriftzugs als strafbare Beleidigung keinen verfassungsrechtlichen Einwänden.âcite-ref-20[20]
Das Amtsgericht Regensburg verurteilte am 25. Januar 2012 einen FuĂballfan, der anlässlich eines FuĂballspiels ein T-Shirt mit der Aufschrift COPACABANA trug, wobei die Buchstabenfolge ACAB farblich abgehoben war, wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe in HĂśhe von 15 Tagessätzen. Das Gericht argumentierte, es liege eine Kollektivbeleidigung vor, welche sich gegen die bei dem FuĂballspiel eingesetzten Polizeikräfte als âabgrenzbar[en] und Ăźberschaubar[en]â Personenkreis richte.cite-ref-21[21]
In einem Beschluss vom 18. Dezember 2013 verurteilte das Oberlandesgericht MĂźnchen einen FuĂballfan zu einer Strafe von 100 Tagessätzen, da er auf einem FuĂballspiel eine Hose mit dem Schriftzug ACAB getragen hatte.cite-ref-22[22]
Das Amtsgericht Tiergarten entschied 2000 in einem Beschluss, dass die im Tragen eines BekleidungsstĂźcks mit der AbkĂźrzung A.C.A.B. implizierte Aussage Alle Polizisten seien Bastarde hĂśchstens eine Beleidigung eines Kollektivs sein kĂśnne; dieses Kollektiv sei aufgrund der unĂźberschaubaren Masse an Polizisten jedoch nicht ausreichend definierbar. In der BegrĂźndung des Beschlusses heiĂt es dazu wie folgt:
âIm vorliegenden Fall kann es sich angesichts der tatsächlichen Umstände (Tragen eines T-Shirts mit dem Aufdruck âA.C.A.B.â) nur um die Beleidigung eines Kollektivs handeln, da dies die AbkĂźrzung fĂźr den englischen Satz âAll Cops Are Bastardsâ sein soll. [âŚ]â
âNach der Rechtsprechung des BGH und des BVerfG (vgl. BVerfG NJW 1995, 3303, 3306, sog. zweite âSoldaten sind MĂśrderâ-Entscheidung) ist es verfassungsrechtlich zwar grundsätzlich unbedenklich, die Ehre eines Kollektivs zu schĂźtzen. Jedoch muss das Kollektiv, um beleidigungsfähig zu sein, klar abgrenzbar sein. [âŚ]â
âSollte es sich bei der [âŚ] AbkĂźrzung âA.C.A.B.â um den englischen Satz âAll Cops Are Bastardsâ handeln, ist damit eine unĂźberschaubar groĂe Gruppe, nämlich âalle Polizistenâ (âAll Copsâ) getroffen. âAlle Polizistenâ ist jedenfalls nach der Rechtsprechung des BVerfG (3306 f. zum Problem der Formulierung âAlle Soldatenâ) kein ausreichend definiertes Kollektiv. [âŚ] Es kann daher nicht mit der fĂźr eine Verurteilung wegen Beleidigung notwendigen Sicherheit ausgeschlossen werden, dass der Angeschuldigte seiner Missachtung grundsätzlich allen Polizisten gegenĂźber als den Vertretern der Staatsgewalt, vĂśllig unabhängig von ihrer Nationalität, ausdrĂźcken wollte. Dies ist als (strafbare) Beleidigung einer unĂźberschaubaren groĂen Personengruppe zu werten.â
â
Amtsgericht Berlin-Tiergarten, Beschluss vom 19. Januar 2000
Nach den Grßnden eines Beschlusses des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main vom Mai 2018 kann bei der Benutzung von A.C.A.B. eine Ordnungswidrigkeit wegen Belästigung der Allgemeinheit (§ 118 OWiG) vorliegen, sofern die fßr eine Strafbarkeit wegen Beleidigung notwendige Individualisierung des Adressaten fehle. Da eine solche Individualisierung im konkreten Fall jedoch vorliege und wegen eines fehlenden Strafantrages keine Bestrafung wegen Beleidigung erfolgen kÜnne, sprach das Gericht einen Freispruch aus.cite-ref-24[24] Kurz zuvor hatte bereits im Februar 2018 das Oberlandesgericht Rostock eine Verfolgung als Ordnungswidrigkeit des Aufhängens eines Banners mit A.C.A.B. generell ausgeschlossen. Nach Ansicht des entscheidenden Senates sei die Bestimmung ßber Belästigung der Allgemeinheit kein allgemeines Gesetz im Sinne der Meinungsfreiheit, das diese wirksam einschränken kÜnne.cite-ref-25[25]
Niederlande
Drei Fans des FuĂballvereins Ajax Amsterdam wurden 2011 zu einer Strafe von jeweils 330 Euro verurteilt, da sie bei einem Spiel im April 2010 T-Shirts mit den Ziffern â1312â (einer Codierung der Buchstaben ACAB) getragen hatten.cite-ref-26[26]
Ăsterreich
In Ăsterreich wurde die ĂuĂerung der Parole A.C.A.B. bis 2019 zumeist als eine Anstandsverletzung gewertet, die verwaltungsrechtlich, etwa mittels OrganstrafverfĂźgung, geahndet werden konnte. Der Strafsatz konnte dabei bis 700 Euro (oder ersatzweise eine Woche Polizeihaft) betragen.cite-ref-27[27] Strafrechtliche Urteile hinsichtlich einer Bekleidung mit diesem Slogan sind in Ăsterreich nicht bekannt.
Am 18. Juni 2019 entschied der Verfassungsgerichtshof (VfGH) jedoch ähnlich dem deutschen Bundesverfassungsgericht, die Bestrafung der Parole als Anstandsverletzung verletze in bestimmten Fällen das Grundrecht auf Meinungsfreiheit nach Art. 10 EMRK. Der Fall betraf einen FuĂballfan, der eine A.C.A.B.-Fahne im Stadion geschwenkt hatte. Hier sollte das Transparent laut VfGH âprimär auf das angespannte Verhältnis zwischen manchen FuĂballfans und der Polizei hinweisen und die ablehnende Haltung gegenĂźber dem Stand der Polizei als Teil der staatlichen Ordnungsmacht zum Ausdruck bringenâ und sei daher âkeine konkrete 'Beschimpfung' bestimmter anderer Personenâ. Deshalb sei die geäuĂerte Kritik âmit Blick auf die in einer demokratischen Gesellschaft besondere Bedeutung und Funktion der MeinungsäuĂerungsfreiheit bei Beachtung aller Umstände des Falles hinzunehmenâ.cite-ref-28[28] Die gegen den Fan verhängte Geldstrafe (und das Erkenntnis des Verwaltungsgerichts Wien, das diese zunächst bestätigt hatte) wurden aufgehoben.
Schweiz
In der Schweiz gab es eine Verurteilung wegen der Parole, die nach Ansicht des Gerichts im Falle einer Einzelbegegnung âkeine allgemeine Aussageâ sein kĂśnne.cite-ref-29[29]
Musikalische Verwendung
Musikalisch wurde die AbkĂźrzung bereits in den 1980er Jahren Ăśfters aufgegriffen, so von einer der ersten Oi!-Bands, The 4-Skins aus England (die oftmals als Erfinder der Parole angesehen werden), oder 1981 von der deutschen Punkband Slime.
Die Losung fand weitere musikalische Verwendung durch:
⢠die New-York-Hardcore-Band 25 Ta Life in ihrem Song âAlways remember, never forget (A.C.A.B)â
⢠den britischen Acidcore-/Acid-Techno-Act A.C.A.B.
⢠den Deutschrapper Alligatoah in dem Song Hab ich recht auf dem Album Musik ist keine LÜsung (2015)
⢠die Band Die 3 Lustigen Beiden (All Cats Are Bastards)
⢠die deutsche Electropunk-Band Frittenbude (Heimatlos)
⢠den Schweizer Liedermacher Guz (Fuck the Cops)
⢠die Üsterreichische Band Ja, Panik verÜffentlichte auf ihrem Album Libertatia (2014) einen Song mit dem Titel Acab, in dem das Akronym als All Cats Are Beautiful interpretiert wird
⢠den deutschen Satiriker Jan BÜhmermann mit seinem Song Ich hab Polizei (2015), allerdings negiert durch Vorsatz des Buchstabens N
⢠die deutsche christliche Oi!-Band Jesus Skins (als âAlles Christen, alle breitâ)
⢠die deutsche, neonazistische Hooligan-Band Kategorie C
⢠den Üsterreicher Rapper Kilez More
⢠die Band Kraftklub in dem Songtext ihres Songs Wieder Winter
⢠die italienische Rechtsrock-Band Legittima Offesacite-ref-30[30]
⢠den deutschen Rapper Marteria als Marsimoto in dem Songtext seines Liedes Grßnes Haus
⢠die spanische Oi!-Band Non Servium, feat. Evaristo (A.C.A.B.)
⢠die deutsche Rechtsrock-Band Oidoxie
⢠den niederländischen Hardcore-Techno-Produzenten Paul Elstak (zusammen mit Leo Sex)cite-ref-31[31]
⢠die deutsche Oi!-Band Schusterjungs
⢠die DDR-Punk-Band Spectators Of Suicidecite-ref-32[32]
⢠den Deutschrapper SpongeBOZZ in dem Song A.C.A.B. (2015), A.C.A.B. II (2017) und A.C.A.B. III (2022)
⢠die deutsche Punk-Band SS-Kaliertcite-ref-33[33]
⢠Swiss: âaus hunderten Kehlen tĂśnt A.C.A.B.â (Schwarzer Block, 2021)
⢠Swiss und die Andern: âlernten kein ABC, sondern A.C.A.B.â (Vermisse Dich, 2015)
⢠die Berliner Band The Incredible Herrengedeck in dem Text des Songs Angst vor Punk (2008) und A.C.A.B. (2018)
⢠die britische Skinhead-Band The Last Resortcite-ref-34[34]
Verwendung als Autokennzeichen
Ein von Hamburgern in Aachen gegrĂźndeter Verein, der der linken Szene zuzurechnen ist, kaufte 1992 einen von der Polizei ausgemusterten Wasserwerfer. Das StraĂenverkehrsamt erteilte 2010 die Zulassung zum StraĂenverkehr und das erwĂźnschte Kennzeichen AC AB 1910 â eine Kombination des Begriffs âAll Cops Are Bastardsâ mit dem GrĂźndungsjahr des FC St. Pauli. Als der Verein den Wasserwerfer bei einer Demonstration in Aachen nach einem Spiel der Alemannia gegen St. Pauli im Februar 2012 einsetzen wollte, fĂźhrte dies zu einem Verwaltungs- und Gerichtsverfahren, in dem der Betrieb des Wasserwerfers untersagt wurde.cite-ref-35[35]cite-ref-36[36]
Literatur
⢠Benedikt Klas, Caroline Blatt: âACABâ â Strafbare Beleidigung von Polizisten? In: HRRS, Nr. 8/2012, S. 388â393 (online).
⢠Mark A. ZĂśller: Beleidigung von Polizeibeamten durch Verwendung der AbkĂźrzung âA.C.A.B.â â zu OLG Karlsruhe, Urt. v. 19. Juli 2012 â 1 (8) Ss 64/12 â AK 40/12. In: Zeitschrift fĂźr das Juristische Studium, Heft 1/2013, S. 102â107 (PDF; 103 kB).
Film
Weblinks
Commons
: ACAB (All Cops Are Bastards)
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Einzelnachweise
cite-note-11. â Troublemaker/A.C.A.B. In: Belltower.News. Amadeu Antonio Stiftung, abgerufen am 2. Juli 2018.
cite-note-22. â âAll communists are beautifulâ als T-Shirt-Spruch (Memento vom 29. November 2014 im Internet Archive).
cite-note-33. â Kai Von Appen: âA.C.A.Bâ beleidigt Polizistin: Vorsicht, Kopfschutz! In: Die Tageszeitung. 4. November 2013 (taz.de [abgerufen am 6. September 2015]).
cite-note-0-44. â Vorsicht: cop-ACAB-ana ist in Regensburg strafbar. In: regensburg-digital.de. Regensburg Digital, abgerufen am 27. Februar 2016.
cite-note-55. â 4 Skins Lyrics â A.C.A.B. (All Coppers Are Bastards) | LyricsBox. In: lyricsbox.com. LyricsBox, abgerufen am 27. Februar 2016.
cite-note-66. â Sophie-Marie Schulz: A.C.A.B.-Kampagne: Wie die Bundespolizei eine Beschimpfung umdeutet. 17. Januar 2023, abgerufen am 18. Januar 2023.
cite-note-77. â DPMAregister | Marken â Registerauskunft. In: dpma.de. register.dpma.de, abgerufen am 27. Februar 2016.
cite-note-81. Beleidigung eines Polizeibeamten durch ĂuĂerung der Buchstabenfolge âA.C.A.B.â In: olg-stuttgart.de. Oberlandesgericht Stuttgart, 8. Juli 2008, archiviert vom Original am 25. Mai 2013; abgerufen am 27. Februar 2016.
cite-note-99. â LG Karlsruhe, 08.12.2011 - 11 Ns 410 Js 5815/11
cite-note-1010. â OLG Karlsruhe, 20.05.2014 - 1 (8) Ss 678/13 - AK 15/14
cite-note-1111. â BVerfG, Beschluss vom 17. Mai 2016 â 1 BvR 2150/14.
cite-note-1212. â BVerfG, Beschluss vom 17. Mai 2016 â 1 BvR 2150/14, Rn. 12.
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